Die Zahl ist bekannt, aber sie wird nicht kleiner: Laut ICT-Berufsbildung Schweiz fehlen bis 2033 rund 54'400 ICT-Fachkräfte. Der zusätzliche Bedarf liegt bei 128'600 Fachleuten. Die Ausbildung deckt davon etwa 35 Prozent, die Zuwanderung rund 23 Prozent. Über 40 Prozent bleiben offen.

Zwei Drittel der ICT-Fachkräfte arbeiten ausserhalb der ICT-Branche: in der Industrie, bei Banken, Versicherungen und im Handel. Der Mangel trifft also nicht nur Softwarefirmen, sondern jedes Unternehmen, das eigene Software entwickelt oder betreibt.

Was das für ein Unternehmen mit 20 bis 250 Mitarbeitenden heisst

Grosse Arbeitgeber gewinnen den Wettbewerb um Senior-Entwickler meist über Lohn und Marke. Für mittelgrosse Firmen heisst das: Stellen bleiben monatelang offen, die Roadmap rutscht und das bestehende Team trägt die Last. Wer dann unter Druck einstellt, nimmt oft das falsche Profil.

Es gibt keinen einzelnen Hebel, der das löst. Aber es gibt fünf Wege, die in der Praxis funktionieren. Meistens ist es eine Kombination.

1. Das Profil schärfen statt das Einhorn suchen

Viele Stellen bleiben offen, weil das Profil fünf Rollen in einer Person vereint. Frag dich: Welche zwei, drei Fähigkeiten braucht die Rolle in den ersten zwölf Monaten wirklich? Alles andere ist lernbar oder lässt sich anders abdecken. Ein klares Profil verkürzt die Suche oft mehr als ein höheres Budget.

2. Selbst ausbilden

Lehrstellen und Quereinsteiger sind der nachhaltigste Weg. Die Ausbildungsquote in der ICT lag 2023 bei 5,9 Prozent, der Branchenverband strebt 8,8 Prozent an. Der Haken: Bis aus einer Lernenden eine Senior-Entwicklerin wird, vergehen Jahre, und Juniors brauchen erfahrene Leute, die sie begleiten. Das löst den Engpass von morgen, nicht den von heute.

3. Freelancer für Spitzen

Freelancer sind schnell verfügbar und gut für klar abgegrenzte Aufgaben. Für die Kernentwicklung sind sie riskant: Wissen geht mit dem Vertragsende, und die besten Freelancer sind oft genau dann ausgebucht, wenn du sie brauchst.

4. KI gezielt einsetzen

KI-Coding-Agents nehmen erfahrenen Engineers viel Routinearbeit ab: Tests, Migrationen, Dokumentation. Das heisst nicht, dass du keine Entwickler mehr brauchst. Es heisst, dass ein kleineres, erfahreneres Team mehr schafft. Wie sich ein Team mit Agents verändert, haben wir hier beschrieben.

5. Nearshoring mit eingebetteten Engineers

Statt nur im Schweizer Markt zu suchen, kannst du erfahrene Engineers aus einem nahen Land direkt in dein Team holen. Für Schweizer Firmen bietet sich Spanien an: gleiche Zeitzone, EU-Recht und Datenschutz, ein grosser Pool an Senior-Entwicklern und tiefere Fluktuation als in vielen anderen Nearshore-Märkten.

Entscheidend ist das Modell. Die Engineers arbeiten in deinen Tools und Standups, du führst die Interviews und entscheidest, und sie bleiben, statt alle paar Monate zu rotieren. Mehr dazu auf unserer Seite zu Nearshoring Schweiz und im Vergleich Spanien vs. Osteuropa.

Welcher Weg passt zu dir?

  • Du brauchst in den nächsten Wochen Kapazität: Nearshoring oder Freelancer.
  • Du willst Wissen langfristig im Team halten: eigene Anstellung oder Nearshoring mit fest eingebetteten Engineers.
  • Du planst auf drei bis fünf Jahre: zusätzlich selbst ausbilden.
  • In jedem Fall: das Profil schärfen und KI gezielt einsetzen.

Du hast eine offene Entwickler-Stelle und willst wissen, ob Nearshoring dafür passt? Schreib uns, wir sagen es dir ehrlich.

FAQ

Wie viele IT-Fachkräfte fehlen in der Schweiz?

Laut der Studie von ICT-Berufsbildung Schweiz (2025) fehlen bis 2033 rund 54'400 ICT-Fachkräfte. Der zusätzliche Bedarf liegt bei 128'600 Fachleuten, wovon Ausbildung und Zuwanderung zusammen knapp 60 Prozent decken.

Ist Nearshoring eine Lösung für den IT-Fachkräftemangel?

Für viele Firmen ja, als Teil der Lösung. Nearshoring erweitert den Talentpool über die Schweiz hinaus, ohne Zeitverschiebung. Wichtig ist, dass die Engineers fest in dein Team eingebettet sind und bleiben, statt Tickets aus der Ferne abzuarbeiten.

Wie schnell lässt sich eine Entwickler-Stelle über Nearshoring besetzen?

Mit einem eingespielten Partner sind 2 bis 4 Wochen bis zum ersten Arbeitstag realistisch, inklusive der Interviews, die du selbst führst.

Quelle: ICT-Berufsbildung Schweiz, Fachkräftebedarf 2033, via Netzwoche, 18.09.2025.